Mediengenerierte Wirklichkeit – Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg

Heute ist die Verschiebung der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg großes Thema in den Berliner Medien. Groß scheint die Überraschung, dass die Eröffnung nicht termingerecht erfolgt. Über das tatsächliche Baugeschehen kann ich nichts sagen. Im letzen Jahr und speziell seit Jahresanfang entstand bei mir  jedoch der Eindruck, die Medien in Berlin (Zeitungen, TV, Radio) würden einseitig, gezielt positiv auf die Eröffnung des Flughafen hinschreiben (Flughafengesellschaft sieht Eröffnungstermin nicht gefährdet. „Alles ist im Zeitplan ). Keine Kritik, noch bis vor wenigen Wochen war alles ok, null Problemo, Eröffnung wie geplant. Heute weint die Hauptstadtpresse, Wowereit und Platzek sind stinksauer. „Die Häme der Netzgemeinde“ titelt der Tagesspiegel und beschreibt die Reaktionen auf Twitter zur Verschiebung.

RSS-Feed des Berliner Tagesspiegels

Eindeutiger Tenor des Artikels: Die miese Netzgemeinde macht sich über die armen Politiker und Flughafenbauer lustig. Unerhört, dass die jetzt eine eigene Meinung haben und auch noch so laut, dass sie nicht zu überhören ist. Niemand glaubt nun mehr die perfekt abgeschrieben PR-Storys aus den Medien. Verdammt … 

Ein bisschen Recherche im Vorfeld (sic!) hätte möglicherweise eine bessere Information ermöglicht – Wollen vorausgesetzt. Meiner Meinung nach genügen die Berliner Medien ihrer Informationsfunktion gar nicht. Ganz plötzlich und unvorhersehbar kann so etwas nicht eintreten. Aber in Berlin wird nicht geschrieben was nicht sein darf und demzufolge auch nicht sein kann. Bestenfalls die Fluglärmgegner sind als Krawallmacher dazu geeignet die Auflage zu erhöhen.

Eine ähnliche Situation erlebte Berlin im Vorfeld der Hauptbahnhof-Eröffnung, die politisch gewollt war, für viele Berliner jedoch überflüssig. Für die meisten verlängerte sich die Fahrzeit zum Bahnfernverkehr, was bei Schönefeld ähnlich sein dürfte. Ob man das jemals herausfinden wird, bleibt fraglich, denn dazu müsste die Berliner S-Bahn regelmäßig fahren. Theoretisch ist man in unter 30 Minuten vom Alexanderplatz in Schönefeld.

Fahrzeiten nach Schönefeld

26 Minuten von Alex nach Schönefeld rechnet uns das Airport-Blog vor. Die ist nur unter günstigsten Bedingungen möglich mit dem eher ungewöhnlichen Transportmittel Regionalzug, der natürlich nicht die Haltestellen der S-Bahn bedient. Auf den normalen Wegen S- und Bahn braucht man 40 Minuten oder mehr, dreimal Umsteigen – wenn sie fahren.

Der Flughafen Berlin Brandenburg ist ein Prestigeprojekt, welches gezielt schöngeredet und -geschrieben wurde. Jetzt, wo Lüge und Manipulation nicht mehr zu verheimlichen sind, ist der Katzenjammer groß und der Berliner Tagesspiegel wirft Nebelgranaten, um von der Situation abzulenken. Mir soll der Arm anfaulen, wenn ich jemals wieder eine Berliner Zeitung anfasse.

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